Hochzeitsfotografie - ein Blick hinter die Preisentstehung

Ein herzliches “Hallo” an alle Bräute und deren Liebsten, Besucher und Kolleginnen und Kollegen

Ich möchte mich heute einem besonderen Thema widmen. Oft werden die Fotografen gefragt “Warum kostet Hochzeitsfotografie soviel, vorallem eine ganztägige Hochzeitsreportage, wie entstehen Eure Preise?”. So hat mich ein Kollege auf die Idee gebracht, Ihnen heute einmal Einblicke in die Entstehung eines Preises bis hin zum fertigen Foto gewähren zu lassen. Ich glaube, nein, wir Fotografen glauben, dass solche Informationen Ihnen unseren Kunden helfen, eine verbesserte Übersicht und deutlichere Einblicke in diesen kreativen Beruf zu bekommen. Die weitläufige Meinung, Fotos sind ja schnell gemacht, wird somit wiederlegt (zumal eine neue Generation von Hochzeitsfotografie am entstehen ist), denn das Fotografieren macht zeitlich gesehen die geringste Arbeit. Wieso das so ist, möchte ich Ihnen hier im folgenden offen darstellen…

Vergleichen wir die Aussage mit der Buchung für eine ganztägige exklusive Hochzeitsreportage, also dem Fotografieren des gesamten Hochzeitstags, anhand von realen, durchschnittlichen Werten, die selbstverständlich von Fotograf zu Fotograf (oder Fotografinnen) auch variieren können, je nach dem, wo dieser seine Schwerpunkte legt.

Sobald der Kunde mit uns Kontakt aufgenommen hat, möchte dieser in der Regel einen Kostenvoranschlag. Der Fotograf nimmt die Daten per Telefon oder E-mail auf oder vereinbart mit den Kunden einen Termin. Zeitaufwand: 2-3 Stunden für ein persönliches Treffen, 30 Minuten für den Kostenvoranschlag, incl. Druck und Versand.

Zwei Tage vor Termin nimmt der Fotograf mit dem Kunden in der Regel nochmals Kontakt auf um Veränderungen einzuplanen und kontrolliert seine komplette Ausrüstung auf einwandfreie Funktion. Dazu zählen nicht nur die Kameras, sondern auch Blitzgeräte, mobile (akkubetreibene) Blitzanlagen, Reflektoren, Stative, Objektive, Batterien, Filme (bei analoger Fotografie) u.v.m. incl. Überprüfung der Ablaufdaten. Zeitaufwand: ca. 30 Minuten bis 1 Stunde.

Das Auto muss vorbereitet werden, denn bei einer Hochzeit möchte jeder durch Schönheit, Sauberkeit und Reinheit angepasst erscheinen, auch der Fotograf, das ist verpflichtend. Zudem muss das Auto in einem einwandfreien Zustand sein, eine Panne wäre fatal: also Auftanken, Reinigung innen und außen, Navigation installieren etc. und Endkontrolle. Zeitaufwand: 30 Minuten bis 2 Stunden.

Am Buchungstag oder am Vortag dann die Anreise zum Brautpaar.
Der Fahrtweg wird meistens im Kostenvoranschlag mitvergütet, denn in dieser Zeit (Reisezeit) kann der Fotograf keine anderen Aufträge bearbeiten und ist somit gebunden. Zeitaufwand (Reisezeit): 30 Minuten bis zu 8 Stunden bei bundesweiter Anreise, Ausland z.T. mehr (Flug).

Vor Ort: Recherche (ggf. Internet und Literartur) und Begehung der möglichen und besprochenen Locations. Zeitaufwand: 1-2 Stunden.

Gewährt uns das Brautpaar, vor allem die Braut, auch die Vorbereitungen zu fotografieren, beginnt unser Arbeitstag oft schon recht früh, 8 bis 9 Uhr sind reale Zeiten. Jetzt heißt es zum Teil bis nach Mitternacht, also 15 oder 16 Stunden hochkonzentriert zwei Menschen zu beobachten ohne Sie dies bewußt fühlen bzw. erleben zu lassen. Details zu sehen oder noch besser zu erahnen, Gäste und Situationen wahrzunehmen ohne dabei das Brautpaar zu vernachlässigen sind hohe Anforderungen über volle 16 Stunden. Neben diesen fotografischen Werten gilt es auch der Hochzeitsgesellschaft gerecht zu werden, ein Gefühl für die Gäste und die vielen Situationen zu bekommen. Sich langsam und angepasst zu bewegen, die gewünschten und geplanten Fotos zu erstellen ohne dabei jemanden auch nur ansatzweise zu stören, das ist Hochzeitsfotografie. Zeitaufwand: bis zu 16 Stunden und mehr…

Die Heimreise entspricht logischerweise der Anreise. Zuvor Check der gesamten Ausrüstung auf Vollständigkeit. Zeitaufwand: 30 Minuten bis zu 8 Stunden bei bundesweiter Anreise, Ausland z.T. mehr.

Zuhause angekommen fallen Arbeiten an wie Reinigung der gesamten Ausrüstung, Versand des Materials für das Labor fertig erstellen und Büroarbeiten. Zeitaufwand: ca. 1 bis 2 Stunden.

Da an einer Hochzeitsreportage gerne bis zu 1500 Fotos erstellt werden, beginnt nun eine sehr aufwendige Arbeit am PC oder Mac - die wichtigste Arbeit nach dem Fotografieren, die Bildbearbeitung. Das chronologisieren aller Aufnahmen, das Bearbeiten der Aufnahmen mittel professioneller Bildbearbeitungssoftware (Bildausschnitt wählen, Anpassung und Überprüfung von Helligkeit, Kontrast, Sättigung, Selektive Farbkorrektur, Gradationsstufen, Bildgröße u.v.m). Oft werden die schönsten Aufnahmen separiert und erneut aufeinander abgestimmt. Zeitaufwand: bis zu 30 Stunden, abhängig von der Menge und den Kundenwünschen.

Büroarbeiten wie Archivierung der Aufnamen für den Kunden und für sich selbst, Erstellen der Rechnung, Buchführung, weitere Kundenkontakt zwecks weiterer Wünsche, Versand oder persönliche Übergabe dürfen nicht vergessen werden. Zeitaufwand: 3-6 Stunden.

Nehmen wir die Durchschnittswerte kommen wir Fotografen (und Fotografinnen) also auf ca. 70 Stunden Arbeitszeit, bis das Endprodukt den Kunden erreicht. Nehmen wir an, Sie bezahlen für eine Ganztagsreportage ein Honorar (ohne Material, Labor etc.) von 1200 Euro, dann ergibt das einen Stundenlohn vor Steuer (!) von ca. 17,- Euro. Und nicht zu vergessen: Krankenkasse (oft privat) sowie die Altersvorsorge müssen zudem meist selbst finanziert werden. Selbst bei Honoraren von 1800 Euro ergibt sich ein Stundenlohn von 25,- Euro. Der Fehler liegt in der Bewertung also darin, das Kunden unbewußt oft nur die sichtbare Arbeit, also das Fotografieren vor Ort z.B. 16 Stunden als Ansatzpunkt nehmen um einen Stundenlohn auszurechnen. 1200 Euro geteilt durch 16 Stunden, das entspricht 75,- Euro Stundenlohn - ist aber keineswegs real! Es sind ca. 17,- in diesem realen Rechenbeispiel.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen ansatzweise “betriebswirtschaftlichen” Informationen ein vollkommeneres Bild von uns Fotografen und unserer Arbeit, unserer Kunst zu ermöglichen und ein Verständniss für unsere Preisgestaltung zu entwickeln. Hochzeitsfotografie ist mehr als nur Hochzeiten zu fotografieren - für viele von uns ist es Kunst. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alle die besten Erfahrungen mit uns Hochzeitsfotografen hier bei Weddingstyle und außerhalb :wink:

Patrick Koci

Das ist ein interessanter Bericht. Vielen Dank dafür!

Liebe Grüsse
Christine

Hallo Patrick Koci!

Ich finde es interessant mal zu lesen, auf was ein Fotograf so alles achten muss, meinst bedenkt man gar nicht was alles dahintersteckt.
Ich finds gut das Sie sich mal die Mühe gemacht haben alles aufzulisten, ich glaube das wird uns Bräuten auf jeden Fall weiterhelfen!

Also vielen Dank hierfür!

LG Stephie

Vielen Dank für diesen informativen Beitrag! Bei der digitalen Fotografie geht also ein sehr großer Teil der Zeit in die Nachbearbeitung (verständlicherweise). Gibt es auch Vergleichswerte für Fotografen, die analog arbeiten? Wie sieht da der Zeitaufwand für das Entwickeln etc. aus?

Sehr gut Patrick! Deine Informationen sind absolut realistisch und decken sich hundertprozentig mit meinen Erfahrungen und meiner Arbeitsweise. Sehr gut!

Das Nachbearbeiten am PC oder Mac betrifft beide Arten der Fotografie, analog (also mit Negativfilm) wie auch digital. Der Fotograf, der analog bevorzugt, wie ich selbst auch, hat die Möglichkeit, die Filme im Fachlabor für Berufsfotografen entwickeln zu lassen. Dort stehen dann weitere Wege der Weiterverarbeitung offen. Ich selbst lasse alle Filme, also jedes Bild, durchnummeriert auf CD scannen. Meine Kunden bekommen anschließend zum Beispiel beides, die Filme zzgl. der digitalen Scanns auf CD. Ich selbst, aber das ist eine Frage des Service, stelle dann dem Kunden noch eine Best of DVD zur freien Verfügung. Dort bearbeite ich diejenigen Fotos, die die Klasse haben, in einem Album, Bildband oder etwaigen andere Medien veröffentlicht zu werden. Hat der Kunde noch selbst eine Wunschauswahl ist eine Stunde zusätzliches Bearbeiten inklusive.

Das Nachbearbeiten ist heute Standard, einfach weil es uns die Technik bietet und wir somit hochwertige Fotografien nochmals auf ein Optimum an Qualität verfeinern können - und der Kunde profitiert davon und so soll es ja auch sein. Sind die Bilder dann in ihrem urspünglichen Format schlecht? Nein, in der Regel nicht. Ein gutes Auge ist die höchste Voraussetzung, viel wichtiger als eine teure Ausrüstung. Der Grund liegt vielmehr hierin, das im Tagesverlauf einer Hochzeit das Tageslicht variiert, eine Wechsel von Innen- und Außenaufnahmen stattfindet.

Obwohl wir, zumindest die meisten Kolleginnen und Kollegen hier im Forum einen hohen Wert auf Authenzität legen, ist ein stimmiges Farbbild oder Kontrastgefüge in den Fotografien ein wichtiges Kriterium für Harmonie in den Fotografien ansich. Darum bedienen wir uns den Möglichkeiten professioneller Bildbearbeitung.

Der Zeitaufwand ist also derselbe, zzgl. einem oder zwei Arbeitstage im Labor. Frage beantwortet? :wink:

Liebe Grüße, Patrick Koci

Danke für die ausführliche Antwort - heißt: ja, meine Frage ist beantwortet! :wink: Schönes Wochenende!