Kirchliche Hochzeit ohne Standesamt

Ich weiß nicht, ob wir das Thema hier schon hatten, aber ab 01.01.09 können Paare auch ohne vorherige standesamtliche Trauung kirchlich heiraten. In der SZ stehen heute (03.07.) zwei Artikel, die das Thema kritisch beleuchten. Ein Regensburger Familienrechts-Professor (Dieter Schwab) wird wie folgt zitiert:

“Ein Paar, das sich kirchlich, aber nicht standesamtlich trauen lässt, befindet sich in einer Ehe, die jedoch vom staatlichen Recht als nichteheliche Gemeinschaft angesehen wird - mit allen Konsequenzen”.

Also falls eine von Euch das vorhaben sollte, laßt Euch unbedingt ausführlich beraten.

LG Schlumpfine

Hab das jetzt auch grad im Radio gehört. Man verzichtet dadurch aber dann auf alle staatlichen “Vorzüge” einer Ehe :wink:
Jetzt muss ich dann aber mal ganz blöd fragen: Wie ist das dann bei einer Scheidung?

Naja, wenn ich diesen Professor richtig verstehe, ist das eben eines der Probleme. Die Gefahr besteht wohl, dass Vermögensrisiken auf den schwächeren Partner abgeschoben werden und das sind leider auch heute noch viele Frauen. Zunächst ist es halt nur der Steuervorteil, später kann es Probleme beim Erbrecht geben und im Falle einer Scheidung dann eben mit dem Unterhalt.

Ich denke, man sollte sich halt wirklich informieren - auf Erfahrungswerte kann man in diesem Fall ja erst in ein paar Jahren zurückgreifen.

Naja, kirchlich kann man sich ja nicht scheiden lassen. Insofern ist das dann eine Trennung, die quasi vor Gott nicht akzeptiert wird (soll jetzt nicht blasphemisch sein oder so). Da man ja vorher keine finanzielle Regelung festhält, greifen die normalen Rechte wie bei nicht-ehelichen Partnerschaften.

Da gab es gestern in der Tagesschau auch einen Bericht zu: http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video342042.html

Musste ich so an den Thread hier denken :smile:

sehr wohl scheiden lassen. Ist aber alles andere als einfach … zumindest in der kath. Kirche. Caroline von Monaco wurde z.B kirchlich geschieden.

LG
Snjezana

In Österreich ist es so (und das wird in Deutschland wohl nicht anders sein), dass die standesamtliche Trauung einen zivilrechtlichen Vertrag darstellt und die kirchliche Trauung einen religiösen “Ritus”.
Rechtswirkungen entfaltet nur die standesamtliche Trauung.
In Österreich kann man sich schon langem “nur” kirchlich trauen lassen, sofern die Kirche damit einverstanden ist…
Aber theoretisch ist es ja so, dass die kirchliche Trauung keinerlei Rechtswirkungen entfaltet…hat also mehr symbolischen Charakter…

Scheiden lassen im klassischen Sinn kann man sich nur zivilrechtlich (also nur die standesamtliche Ehe auflösen)…
Die Kirche kann die Ehe anullieren. Ob man sich “richtig” kirlich scheiden lassen kann bezweifle ich!!! Ist ja immerhin ein Sakrament und das kann man ja nicht zweimal empfangen…

Man kann sich auch in der Kiche scheiden lassen, was dann allerdings anulieren heißt. Es ist aber ein riesen Aufwand! Das hat eine entfernte Bekannte von Christians Eltern gemacht und sie musste dafür sogar vor den Papst treten und den Sachverhalt genaustens begründen. Sie hat es aber geschafft!

So einfach ist das mit dem Annulieren aber nicht!
Da müssen schon schwerwiegende (vor allem für die katholische Kirche geltende) Gründe vorliegen, um eine Ehe für ungültig (im Sinne von “hat niemals existiert”) zu erklären.

Das ist gar nicht einfach, die kath. geschlossene Ehe annullieren zulassen. Hatte auch darüber nachgedacht, nach meiner Scheidung. Allerdings haben wir evangelisch geheiratet, weil er ev. war. Der Pfarrer hat keinen Wert auf eine bischöfliche Dispens von meiner Gemeinde gelegt und auch nach der Trauung nichts an die kath. Kirche weitergeleitet. Somit bin ich laut kath. Kirchenrecht noch nicht kirchlich getraut worden. Laut dem kath. Pfarrer war das damals so nicht in Ordnung…“wäre aber mein Glück, denn somit darf ich jetzt noch einmal kirchlich heiraten.” :laughing:

Sehr glücklich war der Pfarrer mit diesem Formfehler nicht, trauen wird er uns aber trotzdem.
Hätte die kath. Kirche damit jetzt ein Problem gehabt, dann würden wir eine freie Zeremonie planen. Aber Frau kann ja auch mal Glück haben.

Das ist zwar schon Ewigkeiten her, aber die Großeltern meines Mannes haben nur kirchlich geheiratet (in den 1920er Jahren), weil sie auf nem Dorf irgendwo im Nirgendwo gelebt haben und keiner an eine standesamtliche Trauung gedacht hat.
Meine Schwiegermutter ist deshalb unehelich geboren. Das ganze wurde erst bekannt als ihre Mutter nochmal heiratete (1. Mann war verstorben) und auf dem Standesamt keine Ehe eingetragen war.
Meine Schwiemu hat unter dem “Makel” unehelich immer gelitten - waren aber auch andere Zeiten.
Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum man zuerst kirchlich heiratet und dann standesamtlich. So eine Hochzeit hat ja ne Menge Planungsvorlaufzeit, da kann man die standesamtliche Trauung doch noch vor der kirchlichen Trauung unterbringen.