Zum Thema: "Alles teuer, wo Hochzeit drauf steht"/

Hallo liebe Brautpaare und Besucher von weddingstyle.de

Da im besagten Forum u.a. auf die Meinung eines Fotografen Wert gelegt wurde, möchte ich dem hier gerne und objektiv nachkommen.

Die Preis- und Leistungsgestaltung der Hochzeitsfotografen ist so variabel wie die Marktwirtschaft allgemein, sind wir ja auch ein Teil derer, ganz klar. Vergleiche zwischen den Angeboten zu ziehen, ist durch die freie Gestaltung der Fotografen in Bezug auf Qualität und Kreativität der Fotografien, der Leistungen und der Preise sehr schwer, aber ich möchte versuchen, Ihnen erneut eine Hilfestellung zu geben sowie Hintergundwissen zu vermitteln.

Wichtig für Sie als Kunde sollte die Antwort auf die Frage sein, welchen Stellenwert hat den der Fotograf und dessen Bilder für uns? Können wir mit schönen Fotografien etwas anfangen, sind wir “visuelle” Menschen oder wollen wir “nur” ein paar Fotos, damit wir halt eben welche haben, aber uns ist z.B. eine schöne Hochzeitsreise viel wichtiger? Beide Möglichkeiten sind völlig in Ordnung, differenzieren aber in der Preisgestaltung.

Warum, das möchte ich Ihnen kurz erklären.
Während ein kurzes Shooting, meist an fest definierten Locations des Fotografen, einen kleineren aber auch nicht unerheblichen Aufwand bedeutet, ist eine Ganztagsreportage ein sehr großer Aufwand.
Der tatsächliche Arbeits- und Zeitaufwand für eine Hochzeitsreportage gliedert sich wie folgt auf:

  • Bis zu 3 Stunden Besprechung des Ablaufs, der Kundenwünsche und deren Realisierung
  • Bis zu 2 Stunden Begehung und Recherche der Locations vor Ort zzgl. via Internet und ggf. Literatur
  • Bis zu 2 Stunden Vor- und Nachbereitungen der Reise, der Ausrüstung, des Fahrzeugs
  • Bis zu 10 Stunden Anreisezeit pro Fahrt- oder Flugstrecke
  • Bis zu 18 Stunden Hochzeitsfotografie bzw. Hochzeitsreportage
  • Bis zu 10 Stunden Abreisezeit pro Fahrt- oder Flugstrecke
  • Bis zu 1 Stunde Laborbesprechungen
  • Bis zu 12 Stunden Auswahl der Fotos, Erstellen einer Chronologie, Abstimmung der Formate (800 bis 1600 Fotos!)
  • Bis zu 30 Stunden digitale Bearbeitung, Bereitstellung des Datenträgers „Best-of“ (DVD)
  • Bis zu 20 Stunden Bearbeitung des Bildbands (Album), Kontrollen, Nachbearbeitung, Druckfreigabe
  • Bis zu 4 Stunden weitere Büroarbeiten, SMS-Service, Rechnung schreiben, Buchhaltung, Bild-Archivierung, Versand, Nebenarbeiten etc.

Addieren Sie Stundenzahl und Sie kommen auf einen Aufwand von ca. 112 Stunden, das entspricht bei einem Arbeitstag von 10 Stunden knapp 11 Tage Arbeitszeit bis zum fertigen und vorzeigbaren Produkt. Ein Ganztagsreportage, welche die Vorbereitungen des Brautpaares und Freunde, das Standesamt, den Sektempfang, die Trauung in der Kirche, die Familienfotos, die klassischen Portraits sowie den Abendempfang und die Feierlichkeiten beinhaltet kostet im Schnitt (mit Material) 1600 bis 2400 Euro, wobei es auch sicherlich noch nach unten und oben etwas variiert, was je nach Leistung und Service auch regelrecht sein kann.

Nehmen wir einen Mittelwert von 2000 Euro. 2000 Euro : 112 Stunden und der Fotograf hat einen Stundenlohn von 17,85 Euro - und das brutto, verehrte Leser!
Da die meisten Fotografen selbständige sind, zahlen Sie die Krankenkassen oft privat und die Rente muss selbst finanziert werden - von 17,85 Euro Stundenlohn! Reduzieren wir die Reisekosten auf 3 Stunden pro Strecke hat der Fotograf einen Stundensatz von 20,41 Euro, das ist - unter den Umständen wie Private Versicherung und Rente - kein erheblicher Zugewinn. Sie sehen, so teuer sind Hochzeitsfotografien eigentlich nicht, wenn Sie die Hintergründe einsehen können.
Auch bei kleineren “Paketen” als der Ganztagsreportage entsteht der gleiche Ablauf, nur mit kürzeren Zeitvorgaben und in deren Relation mit geringeren Preisen.

Darum gebe ich Ihnen folgende Tipps zum Vergleich und der Auswahl Ihres Fotografen:

  1. Besprechen Sie mit Ihrem Partner den Stellenwert von Schönen Hochzeitsfotografien
  2. Legen Sie ein realistisches Budget fest
  3. Vergleichen Sie zuerst anhand der gezeigten Fotografien und dem Internetauftritt (Ist die Homepage geordnet, ist sie informativ, sind die Fotografien lebendig, kreativ, zeigen Sie die Stimmungen, sind sie fehlerfrei z.B. parkende Autos und Verkehrsschilder im Hintergrund etc.?)
  4. Vergleichen Sie dann die Leistungen (Bekommen Sie das gesamte Material, wenn nein, welche Kosten entstehen durch Nachbestellungen?)
  5. Die Chemie muss natürlich auch stimmen, denn Sie müssen sich vor der Kamera wohl fühlen, wobei die beste “Chemie” nichts bringt, wenn die Fotos sowie die Leistungen später in purer Enttäuschung enden. Deswegen nenne ich diesen Punkt zum Schluss, er vollendet aber das gesamte Bild Ihres gewählten Fotografen bzw. Fotografin.

Übrigens: Manche Fotografen geben Ihnen gegen einen Aufpreis das gesamte Material heraus, fragen Sie höflich an :wink:

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Hintergrundinformationen bezüglich Preisentstehung und den Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Fotografen geholfen zu haben. Ich und auch andere Fotografen und Fotografinnen stehen Ihnen bei weddinstyle. de gerne bei offenen Fragen zur Verfügung.

Mit herzlichen Grüßen aus der sonnigen Ortenau,

Patrick Koci
www.silentseconds.de
Mitglied bei www.hochzeitsfotografen-deutschland.de